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Short Cuts: Anschlüsse an den Körper

DASA, Dortmund | 22. August 1997 - 05. Oktober 1997

Einführung

Die Ausstellung "Short Cuts: Anschlüsse an den Körper", verhandelt ein Modethema: den Körper. Den Moden ist der Körper eng verpflichtet. In Mode gekommen ist er, nicht zum ersten Mal, als Diskurs von Wissenschaft, Technologie, Kunst - und Ausstellung. Mit dem Ausstellen kommt der Körper in/zur Mode und zurück zur Ausstellung. So beginnt, dreht und wiederholt, designed und re-designed sich der moderne Körper um seine Schauplätze herum. Ob im anatomischen Theater zu Leiden oder der Herzklinik in Fairfax, ob in den Wachskabinetten des 18. Jahrhunderts oder im Hygienemuseum Dresden, ob im Vortragssaal der Salpetrière, in Freak-Shows, den Kunst- und Wunderkammern, den white cubes oder blue boxes - hier ist und darf er sein: der letzte Schrei.
Am Anfang des modernen Körpers stand die Leiche. Erstarrtes Fleisch, geduldig wie Papier, allzeit bereit zu gestehen, was ihm vorausgesagt worden war. Das scharfe Auge und die geschickte Hand - Meisterschaften des Arztes und des Künstlers - haben, samt ihren technischen Verlängerungen und seltsamen Mutationen, gesteuert von "Myriaden Diskursen", den Körper zugleich seziert und gestaltet, ihn vernichtet und neuerfunden, den Tod mit dem Leben verwechselt. Der Blick der Spezialisten wies dem Körper Maß und Proportionen zu, in die das widerspenstige Fleisch eingefasst wurde. An die Stelle der Haut ist ein Vorhang getreten, halb Schleier halb Bildschirm, heraus schält sich immer die maßgeschneiderte, makellose Puppe.

Das Ziel vor Augen, Licht in diesen dunklen Kontinent zu bringen, den Körper vollständig zu ergründen, sind jedoch auch Schattenwesen hervorgerufen worden. Denn in den Panoramen des Leibes wurde dem Körper ein umgestülpter Doppelgänger angehängt. Mit den Bildern des entgrenzten Körpers, diesem Hybriden aus Innereien und Oberflächen, hat sich ein "Fremdkörper" tief in den eigenen Leib eingeschrieben. Ein drohender Skandal, eine obszöne, ungeheuerliche Wunde, die raffinierter Kunstgriffe bedarf, um im Augenblick der Enthüllung übersehen werden zu können. Ent- und Verhüllung fallen in eins. Egal, ob dabei Kleider oder Häute fallen ...
Der Körper existiert nicht, existentiell sind dagegen Bilder - Bilder, die als Spiegel gelesen werden. An seinen endlosen Bildern und Spiegelungen erbaut sich der Körper und wächst daran weit über sich hinaus.
Am Ende der geöffneten Leiche steht das moderne Subjekt, das sich selbst mit den Bildern verwechselt, die es hervorgebracht hat. Schon der erste, den Körper (an)erkennende Blick, nimmt ein zurückgeworfenes, zensiertes und zensierendes Bild in sich auf, das behauptet, dass da/dies ein Körper ist. Zwischen Blick und Körper spannt sich ein Raum, in dem Bilder passieren. Dazwischen strukturiert sich Differenz als Differenzierung von Subjekt und Objekt, Leben und Tod, Männlich und Weiblich, Weiss und Schwarz, Ideal und Monstrum, Kultur und Natur - eine Differenz, die immer vom Einen zum Einen führt. Und der ist kein Körper, sondern beansprucht, einen zu haben.

Endlos sich spaltend und abspaltend, verlegt und verlängert das Subjekt seinen Körper durch immer komplexer werdende Prothesen nach außen, um sich von dort aus an sich selbst anzuschließen. Seine Verlängerungen umkreisen ihn wie Satelliten, er ist ex-orbitant und ex-zentrisch zugleich. So geht es letztendlich gar nicht mehr darum, einen Körper zu haben, sondern an sich selbst angeschlossen zu sein.
Der Körper ist erneut ins Gerede - in Mode - gekommen. Diesmal in Form des Cyborgs, der - so befürchtet und bejubelt man - den Körper samt seinen Implikationen endlich überflüssig mache. Welchen Körper plötzlich? Wie kann etwas überflüssig werden, das als eben dies schon immer galt?
An einem Schaf hängt der Glaube, man könne mit identischen genetischen Codes auch identische Wesen erzeugen - was unter anderem dazu führt, dass auch das fraktalste Subjekt sich gekränkt auf das Recht, nur mit sich selbst identisch zu sein, beruft. Und allen voran lockt und droht das neue Jahrlausend mit seinen Verspreche(r)n auf Ewigkeit.

Die Ausstellung

"Short Cuts: Anschlüsse an den Körper" stellt keine Pro- und Diagnosen über den Körper am Ende des Milleniums. Es geht nicht um Gesamtansichten oder "Abrechnungen". Anliegen ist es vielmehr, kurze Auf- und Überblendungen möglicher (oder unmöglicher) Lesarten quer zur Geschichte und ihren Körpermythen in den Raum zu stellen.
In den Raum gestellt sind Exponate zeitgenössischer Kunst – Fotografie, Objekt/Skulptur, Installation und Video –, eine Serie von Leuchtkästen sowie: die Rezipienten.
Den Raum stellt eine Institution, die kein expliziter Kunstort ist. Im Zentrum der Deutschen Arbeitsschutzausstellung (DASA) stehen Mensch, Arbeit und Technik, ihr Ziel ist die Aufklärung, Prävention und Unterhaltung. Zwischen der Ausstellung "Short Cuts" und dem Ausstellungsort "DASA" verlaufen also ebenso viele An- wie Ausschlüsse.
Die Leuchtkästen soufflieren das Subsystem der Ausstellung. Sie enthalten Bild- und Texttableaus, die Repräsentationsweisen und Vorstellungen des menschlichen Körpers querlesen. Herausgelöst aus ihrem ursprünglichen Kontext gehen die Bilder mit sich "fremd", de- und kommentieren sich, gehen gleich mehrere Verhältnisse ein. Formal an Informationsmedien in Museen angelehnt, sind sie keine Erklärungshilfen für die Exponate. Sie greifen deren Themenfelder auf, lenken davon ab und bieten weitere Anschlüsse an.
Die Rezipienten schließlich werden mit ihren Körpern und ihren Blicken als konstitutives Element der Ausstellung, der Interpretation und Repräsentation von Bildern am Schauplatz beteiligt.
Mit den Wechselspielen zwischen den vier Bezugsfelder – Kunst, Leuchtkästen, Rezipient und Ort – wurde der Versuch unternommen, in den Fluss der Erzählungen, der Texte und Texturen des Körperlichen einzugreifen – Brüche und "falsche" Verbindungen durch Abkürzungen und Anschlüsse herzustellen.

Literatur

Iris Dressler, Vergiss nicht zu sterben, Kunstforum International, Band 153, S. 100.

 Ein Projekt
in Kooperation mit dem Kulturbüro Stadt Dortmund und der DASA

KuratorInnen
Hans D. Christ, Iris Dressler

Technische Leitung
Hans D. Christ, Ute Schulze Eyßing

Support
Kulturbüro Stadt Dortmund
Ministerium für Stadtentwicklung, Kultur und Sport des Landes NRW
Kommunal Verband Ruhrgebiet
Mondriaan Stichting
The British Council
Denneborg Videoprojekt
Microsonic
Großfoto Stühler
Technologies To The People
Kunstgeschicht.de
Büro für freie Kulturarbeit in NRW (Anschub)

August 1997

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