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© Pola Sieverding, VG BILD-Kunst Bonn, 2017

Pola Sieverding: CLOSE TO CONCRETE II

Dortmunder U | Ebene 3
August 2017

Pola Sieverding

CLOSE TO CONCRETE II

HD Video, Sound, 2014, 15:20 Min.

„Ein Geheimnis, das sich niemals ändert, weder bei Tag noch bei Nacht, es handelt sich um eine Vergangenheit, die zugleich die Zukunft verkörpert, die auf einer geraden Linie weiterverläuft und doch am Ende einen Kreis beschließt.“
Lemmy Caution zu Alpha 60

CLOSE TO CONCRETE II wurde 2014 in Berlin gefilmt und ist nach dem 2011 in Lissabon entstandenen CLOSE TO CONCRETE I das zweite Architekturportrait von Pola Sieverding. Beide Videos verweisen nicht nur darauf, wie sehr Kunstkonzepte seit dem frühen 20. Jahrhundert unseren Blick auf unsere Umgebung konditioniert haben, sondern zeugen auch von Pola Sieverdings Interesse an der Materialität des Kamerablicks sowie an den narrativen Qualitäten von (atmosphärischen) Sounds.

In CLOSE TO CONCRETE II sehen wir die Fassaden des Märkischen Viertels und von Marzahn-Hellersdorf, zwei riesigen Wohngebieten in Berlin. Die Kamera fährt bewusst langsam über die Materialität des Betons und der durch Fensteröffnungen strukturierten Fassaden. Sie lädt den/die Betrachter/in nicht nur dazu ein, über die ästhetische Sprache der Architektur zu sinnieren, sondern auch über den gesellschaftlichen Raum, den diese Architektur produziert.

Für den Soundtrack wurden unterschiedliche Quellen verwendet: "Symphonies of the planets - NASA Voyager Recordings" (1977), Jean-Luc Godards "Alphaville" (1965) und ein gewisser „Raum“klang, der aus Windaufnahmen und Synthesizerklängen komponiert wurde. Der Soundtrack verstärkt die Vorstellung einer fernen Zukunft, die inzwischen zur Gegenwart geworden ist. Diese Gegenwart ist die Mitte des 20. Jahrhunderts – mit seinem Wettlauf zum Mond und modernen Konzepten von Massenorganisationen.

Beton steht für eine Utopie, einen Nicht-Raum, der besondere Eigenschaften hat und weltweit sehr spezifische gesellschaftliche Räume definiert. Indem Pola Sieverding Architektur als einen eigenen Darsteller behandelt, ähnlich der von Michelangelo Antonioni entwickelten Methode, verweist sie auf den potentiellen menschlichen Raum, der durch die Architektur entsteht. Fast wie Stellvertreter schaffen Architektur und Sound einen mentalen Raum, der über diejenigen spricht, die abwesend sind: die Menschen.

Kamera: Pola Sieverding, Ulrich Urban
Schnitt: Pola Sieverding
Digital Mastering: Christoph Manz
Sound Design: Julian Holzapfel, Orson Sieverding
Sound Sources: “Symphonies of the planets – NASA Voyager Recordings”, 1977; “Ballade von der Unzulänglichkeit menschlichen Strebens”, Bertolt Brecht, 1928; “Alphaville, une étrange aventure de Lemmy Caution”, Jean-Luc Godard, 1965

Pola Sieverding, *1981, lebt und arbeitet in Berlin. Sie studierte an der Carnegie Mellon University in Pittsburgh, am Surikov Institute in Moskau und erhielt 2007 ihren MFA an der Universität der Künste in Berlin. Sie war Artist in Residence in Ramallah, Prag und Lissabon und war Gastdozentin der International Academy of Art Palestine. Seit 2016 unterrichtet sie an der Kunstakademie in München.

August 2017

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