TRUST

30. Juli 2010 - 05. September 2010 Dortmunder U, Ebene 3

Eröffnung: Fr 30. Juli 2010, 19:00 Uhr

Vertrauen ist ein wichtiger Faktor in allen menschlichen Beziehungen und es ist die Grundlage zwischenmenschlicher Kommunikation. Wir vertrauen der Gültigkeit von Regeln, Codes und Konventionen und wir setzen Vertrauen in andere. Dasselbe gilt für Medien und technische Systeme, denen wir unsere Wünsche und Sehnsüchte anvertrauen. Man mag zwar nagende Zweifel und Verdächtigungen gegen sie hegen, dennoch fühlen wir einen Drang danach, den Apparaten und ihren Simulakren Glauben zu schenken, wenn wir sie damit betrauen, uns eine gute Geschichte zu erzählen, die Wahrheit zu übermitteln und unser Leben besser, gesund und heil zu machen.
Die Gruppenausstellung TRUST folgt den ästhetischen Fluchtlinien dieses Vertrauens, indem sie dessen Status hinterfragt, die Überzeugungen des Publikums herausfordert und es ermutigt, in einen reflektierten Dialog mit Maschinen und Medien zu treten. Die präsentierten Werke verweisen auf die Begierden und auf die ethischen und emotionalen Dilemmata, die mit diesem Vertrauen einhergehen.

Zur Eröffnung der Ausstellung TRUST, am Freitag, 30. Juli, um 19:00 Uhr, werden Antoine Chessex und Thomas Ankersmit ihre Performance „Diffusions/Acoustics“ vorführen.

Kuratiert von Andreas Broeckmann und Stefan Riekeles.

TRUST wird gefördert von der Kunststiftung NRW.


Öffnungszeiten

31.7.-18.8. 2010
jeweils Do, Fr von 14-–20 Uhr
jeweils Sa, So von 10–20 Uhr

19.8.-29.8.2010
immer von 10–20 Uhr

30.8.2010 (Mo) geschlossen
31.8.–3.9. 2010 (Di-Fr) je 14-20 Uhr
4. Sep. 2010 (Sa) 10-20
5. Sep. 2010 (So) 14-20

Führungen durch TRUST gibts immer sonntags + während ISEA2010 um 16 Uhr sowie auf Anfrage


Künstler + Werkbeschreibungen


rota
Carsten Nicolai (de)
Installation 2009

Ein grelles Licht scheint aus dem Inneren eines mit Löchern versehenen, rotierenden Zylinders und bewirkt einen stroboskopischen Effekt. Ein Wandtext behauptet, dass diese Impulse direkten Effekt auf die Hirnströme der Besucher haben und verschiedene mentale Zustände stimulieren. Die Arbeit hinterfragt das Vertrauen in die eigenen Sinne und in wissenschaftliche Erkenntnisse.


Blink
HC Gilje (no)
Video Installation/Videoinstallation 2009

„Blink“ untersucht wie audiovisuelle Techniken und Licht physische Räume verändern, vergrößern, verstärken und interpretieren können. Die Arbeit verbindet Projektionen und Reflektionen vom Fußboden auf die Wände des Raumes einerseits, und die Spiegelung der Bilder von den Wänden auf den Boden andererseits, und schafft so abstrakte Lichtgemälde.


Otondro, Guarding Who
Naeem Mohaiemen (bd)
Slide Series / Diaserien, 2010

Die Bilder in Mohaiemens Diaserien zeigen Momentaufnahmen der Zwischenräume zwischen politischem Alltag, Aktivismus und Medien in einer globalisierten Welt. Es ist ein fast beiläufiger Blick, der die Wirklichkeit aus der Perspektive von Handykameras betrachtet. Werbeposter, Demonstrationen, Polizeiaktionen, Straßenszenen und persönliche Details verschmelzen zu einer Geschichte über die Grundlagen von Vertrauen und Misstrauen in der digitalen Kultur.


Time Slip
Antoine Schmitt (fr)
Installation, 2009

„Time Slip“ ist ein Text-Display, das kontinuierlich Nachrichten aus der Zukunft anzeigt indem eine Software, die Nachrichten von Agenturen aus der grammatikalischen Vergangenheitsform in die Zukunftsform übersetzt. Es entsteht ein faszinierendes Gefühl des Wissens um die Zukunft, dem man gerne Glauben schenken möchte und die Installation so zu einem scheinbaren Orakel verklärt.
Entstanden mit Unterstützung des Art Centre Vooruit and timelab.


macghillie _ just a void
knowbotic research (ch/at/de)
Performance, 2009

In dem öffentlichen Performance-Projekt „macghillie“ werden urbane Orte von einer Figur aufgesucht, deren Tarnanzug keine menschlichen Eigenschaften erkennen lässt. Der sogenannte Ghillie Suit (Ghillie-Anzug) wurde im 19. Jahrhundert für die Jagd entwickelt und später auch im Ersten Weltkrieg verwendet. Sein Tarneffekt bewirkt, dass der Träger sich anonym und neutralisiert in der Öffentlichkeit bewegen kann. Die Figur oszilliert zwischen der Hyperpräsenz einer Maske und visueller Redundanz und erzeugt so eine Bruchstelle im gesellschaftlichen System von Identität und Vertrauen.


Lonely Sessions
Joan Leandre (es)
Video, 2009

Das Video „Lonely Sessions“ zeigt emotional aufgeladene Szenen, die entweder direkt aus einem dystopischen Science-Fiction-Film oder aus einem kunstvoll gestalteten Computerspiel entspringen könnten: städtische Industriegebiete, verlassene Straßen, klaustrophobische Sichten auf Innenräume, unheimliche Naturobjekte und Phänomene. Erstaunlicherweise gibt es dort keine Menschen, was vermuten lässt, dass die virtuelle Apokalypse jegliches Menschenleben ausgelöscht hat. Dies sind die Orte, an die Androiden denken, wenn sie nicht einschlafen können.


Choir piece for 24 voices attuned to the spectrum of frequencies of a sodium lamp powered by 60 hertz
Sophie Bélair Clément (qc/ca)
Sound Installation/Klanginstallation, 2007

Dieses Projekt wird in Zusammenarbeit mit dem Künstlerhaus Bethanien, Berlin und dem Conseil des arts et des lettres du Québec präsentiert.

Eine Methode, um Täuschungen zu entlarven und sich der Wirklichkeit zu versichern, ist die Nachahmung der vorgefundenen Welt. Für ihre Arbeit analysierte Sophie Bélair Clément das akustische Frequenzspektrum des Summens von Neonröhren. Dann beauftragte sie einen vielstimmigen Chor, diesen Ton zu singen.


Loops and Fields: Induction Drawings Series 3
Joyce Hinterding (au)
Drawn Antennas/Gezeichnete Antennen, 2010

„Loops and Fields: Induction Drawings“ ist eine Sammlung von Zeichnungen, die mit den elektromagnetischen Feldern im Ausstellungsraum harmonisiert. Die Graphitzeichnungen funktionieren als Antennen, wenn sie mit einem Verstärkersystem verbunden werden, und machen das Spektrum im Raum hörbar. Die Linien und Schleifen verweisen auf unser Vertrauen in die welterschließende Macht von Medien.


Desire of Codes
Seiko Mikami (jp)
Installation, 2010

Seiko Mikamis Projekt behandelt die Beziehung zwischen Mensch und Maschine. Eine Matrix aus Sensoren, kleinen Lichtern und Überwachungskameras spannt sich durch den ganzen Ausstellungsraum und folgt den Bewegungen der Besucher. Jede Bewegung löst eine Reaktion der kleinen Überwachungseinheiten aus, die ihre Scheinwerfer auf den Körper des Besuchers richten. Es entsteht ein spannender Dialog über das ambivalente Vertrauen in Überwachungssysteme.


Trusted Realities
Konrad Becker (at)
Installation, 2010

Die Installation von Konrad Becker zeigt in Stein gemeißelt, was zweifellos das trügerischste Medium menschlichen Ausdrucks ist, nämlich einen Text. Wie Gesetze führt er Thesen vor, die von Täuschung, von Ungewissheit und von Misstrauen handeln, und verweist so auf die Gleichzeitigkeit und die Ambivalenz von Wahrheit und Täuschung.


Endo
Verena Friedrich (de)
Installation, 2008

„Endo“ übersetzt das Konzept der technologischen ‘Black Box’ in konzeptuelle Kritik und skulpturale Interpretation. Ein digitaler Rekorder im schwarzen Gehäuse ist ausgestattet mit verschiedenen Sensoren, die angeblich Klang, Kamerabilder, GPS-Koordinaten, Helligkeit, Luftdruck, Luftfeuchtigkeit und Temperatur auf einer riesigen Festplatte speichern. Wenn der Speicher voll ist, stoppt die Aufnahme und die Daten sind eingeschlossen in einem Objekt, das zu einem monumentalen, statischen Artefakt wird.


Memory Cone
Julien Maire (de/fr)
Installation, 2009

Die Installation „Memory Cone“ lädt uns ein, das Wesen des elektronischen Bildes zu erforschen, und hinterfragt seine scheinbare Bewegungslosigkeit. Die Installation funktioniert als Laboratorium, in dem die materiellen Eigenschaften eines medialen Bildes geprüft werden können. In dieser Hightech-Fortsetzung des materialistischen Kinos der 70er Jahre thematisiert Maire den Apparat und dessen physischen Output sowie das grundlegende Vertrauen in Bilder und die eigene Erinnerung.


One Day, Instead of One Night, a Burst of Machine-Gun Fire Will Flash, if Light Cannot Come Otherwise
Milica Tomić (rs)
Video, 2009

Milica Tomić präsentiert sich als eine vertrauenswürdig erscheinende Person, die ohne jede Aufregung die Stadt Belgrad durchstreift, während sie in der einen Hand ein Gewehr und in der anderen eine simple weiße Plastiktüte trägt. Auf ihrem Weg besucht sie Orte, an denen im Zweiten Weltkrieg wichtige Aktionen des jugoslawischen Widerstands gegen die deutsche Besatzung stattfanden. Tomić überspielt das intuitive Misstrauen gegenüber Waffen und schafft es, den gefährlichen Gegenstand im öffentlichen Raum zu platzieren, ohne dass er seine Macht ausspielen könnte.


Nereida
Ariel Guzik (mx)
Installation, 2009

„Nereida“ ist eine verschmolzene Unterwasserkapsel aus Quartz, die einen Mechanismus aus Saiten und Schaltkreisen enthält. Sie ist Teil einer Sammlung von Instrumenten, deren Zweck die Kontaktaufnahme mit Zetazeen (Walfischen) durch Musik ist, ohne dass diese in ihrer Freiheit gestört werden. Die Nereida-Experimente beruhen auf Aspekten der Chaostheorie sowie auf der Tatsache, dass für Delphine und Walfische Beobachtung und Kommunikation in einem unauflösbaren Kreislauf aus Klangwellen zusammenhängen.

Förderer und Kooperationspartner

TRUST is funded by Kunststiftung NRW (Arts Foundation of North Rhine-Westphalia).

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