Adolf Winkelmann: adolf winkelmann kassel 9.12.67 11.54 h
HMKV Video des Monats
Videostill aus Adolf Winkelmann, adolf winkelmann kassel 9.12.67 11.54 h, 1967, 07:51 Min., Video, S/W, Ton. Courtesy of the artist
- ausgewählt von Inke Arns (HMKV) anlässlich des 80. Geburtstags von Adolf Winkelmann -
Mein Film „adolf winkelmann kassel 9. 12. 67 11.54 h” ist der Versuch, in der Reproduktion einer Aktion Komponenten sich spiegeln zu lassen, die reaktive Tendenzen in Bezug auf den Vorgang des Filmens und die „Seltsamkeit“ dieses Vorgangs verdeutlichen. Das spezifische Benehmen vor der fotografierenden Kamera ist bekannt, eine Behandlung desselben wäre trivial. Es wird deutlich etwa in der Freude des Straßenbahnschaffners, gefilmt zu werden. Diese Reaktionen verbinden sich in der Darstellung meiner Aktion (wie natürlich auch in dieser Aktion selbst) mit Verhaltensweisen, die den herkömmlichen Filmen sich entziehenden Situationen entspringen und ihre politisch relevanten Komponenten aufweisen. Einem gängigen Begriff sich nicht fügende Objekte und Vorgänge (also: der langhaarige, komisch bebrillte und ungewöhnlich mit Geräten bestückte Winkelmann im vorweihnachtlichen Kassel), die einem bekannten Sinngefüge schwer integrierbar sind, werden begafft, belacht oder gar beschimpft. Die akustische Komponente des Films, der sakral anmutende Ton, dürfte das sich an Verhaltensweisen zeigende verfremden und als das „Merkwürdige“ erscheinen lassen, das es in Wirklichkeit ist.
Text: Adolf Winkelmann
Adolf Winkelmann
Adolf Winkelmann, Filmemacher, Regisseur, Medienkünstler, Autor und Erfinder, geboren 1946 im sauerländischen Hallenberg, aufgewachsen in Dortmund, Kunststudium in Kassel.
1967 überrascht Winkelmann mit dem ersten Selfie-Video der Welt. Auf Festivals in Knokke, Rotterdam, New York und Paris gilt er als Protagonist des europäischen Experimentalfilms.
Er gewinnt den Josef-von-Sternberg-Preis in Mannheim und den „Großen Preis von Oberhausen“.
1975 kehrt er ins Ruhrgebiet zurück. Hier entstehen seine ersten Kinofilme „Die Abfahrer“ und „Jede Menge Kohle“, beide ausgezeichnet mit dem Bundesfilmpreis. 1993 konzipiert und gründet er in Dortmund das erste digitale Filmtonstudio Europas in der ehemaligen Maschinenhalle der Zeche Dorstfeld. Für seine internationalen TV-Thriller „Der Leibwächter” und „Der letzte Kurier” erhält er 1989 und 1996 den Grimme-Preis.
Auf der EXPO2000 in Hannover porträtiert Winkelmann in seiner Film-Installation „DEUTSCHLAND.PICT” auf 35 Leinwänden die deutschen Bundesländer.
Sein zweiteiliger TV-Film „Contergan - Eine einzige Tablette” wird 2008 mit dem Deutschen Fernsehpreis, der österreichischen Lola, der Goldenen Kamera und dem Bambi ausgezeichnet.
Für das Dortmunder U, Zentrum für Kunst und Kreativität, erfindet er die Bewegtbild-Lichtskulptur „Fliegende Bilder”, die er seit 2010 stetig weiterentwickelt.
Zuletzt im Kino war er 2016 mit seiner vielbeachteten Verfilmung des Romans „Junges Licht” von Ralf Rothmann.
Winkelmann ist Mitglied der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste, Mitglied der European Film Academy, Gründungsmitglied der Deutschen Filmakademie in Berlin. Für seine außergewöhnliche Medienarbeit wird er 1996 mit dem Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen und 1999 mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet.
Der HMKV schickt dem Filmemacher und Erfinder der Fliegenden Bilder des Dortmunder U die herzlichsten Glückwunsche!
01.–30. April 2026
Adolf Winkelmann
adolf winkelmann kassel 9.12.67 11.54 h
1967, 07:51 Min., Video, S/W, Ton
In der Serie „HMKV Video des Monats“ stellt der HMKV im monatlichen Wechsel aktuelle Videoarbeiten internationaler Künstler*innen vor.