Nadja Buttendorf: rosie - teh next generation
HMKV Video des Monats
Videostill aus Nadja Buttendorf, rosie - teh next generation, 2026, 21:47 Min., Video, Farbe, Ton. Courtesy of the artist
- ausgewählt von Inke Arns (HMKV) –
Zum Video: https://rosie-tv.nadjabuttendorf24.com
„rosie – the next generation“ beschäftigt sich mit den Auf- und Umbrüchen im VEB Kombinat Robotron 1989/90. Die Straßenproteste im Oktober 1989 erreichten auch die DDR-Betriebe und brachten Forderungen nach Veränderung mit sich. Es wurden neue Handlungsspielräume eingefordert und ein aktives, gestaltendes und selbstermächtigendes Moment entstand, das es ermöglichte, bestehende Verhältnisse auch am Arbeitsplatz zu verändern.
„rosie – teh next generation“ schließt an die YouTube-Serie „Robotron – a tech opera“ an, in der Nadja Buttendorf seit 2018 die Geschichte des Volkseigenen Betriebs Kombinat Robotron erzählt, dem größten Hersteller von Computertechnik in der DDR sowie einem der bedeutendsten Produzenten von Informationstechnologie im sozialistischen Osteuropa.
In der Robotron-Betriebszeitung, die bis Dezember 1989 als Parteiorgan fungierte und anschließend in die Hände der Mitarbeitenden überging, wurde bereits über einen neuen Firmennamen spekuliert, falls es zur Fusionierung mit Siemens kommen sollte: die RO-SIE GmbH. Man ging von einer Vereinigung auf Augenhöhe aus. Statt rosiger Zeiten folgte die Realität einer wirtschaftlichen Übernahme: Siemens kaufte lediglich Teile von Robotron auf und eine Zusammenarbeit blieb aus. 1990 wurde der Großteil von Robotron durch die Treuhand liquidiert und abgewickelt. Die versprochenen Erneuerungen und der Erhalt der Arbeitsplätze blieben aus. „rosie - teh next generation“ wurde in Roblox, einer Videospieleplattform für Kids und Jugendliche, umgesetzt. Die Handlung spielt in der 3D rekonstruierten Robotron-Kantine, in der Arbeitsalltag und Zukunftshoffnungen der Mitarbeiter:innen verhandelt werden.
(Text: Nadja Buttendorf)
Nadja Buttendorf
Nadja Buttendorf hinterfragt gegenwärtige Normen und Codes von Geschlechterkonstruktionen und Wertschöpfungsmechanismen des menschlichen Körpers in unserer digitalen Gesellschaft. Ihre Arbeiten verdeutlichen, dass auch unser Technikverständnis an patriarchale Machtverhältnisse geknüpft ist. Ihre auf Interaktion angelegten Arbeiten und Video-Projekte zeichnen hingegen mehrschichtigere Neuerzählungen, in denen Frauen als elementarer Teil der Technikgeschichte wieder sichtbar werden. Dabei extrahiert sie sowohl in ihren performativen Schmuck-Objekten als auch in ihren Tutorial-Workshops kommunikative Momente der Teilhabe im Internet. DIY als verbreitete Online-Ästhetik setzt sie gezielt als Strategie des Zugangs sowie der Verweigerung gegenüber einer neoliberalen Arbeitsethik ein.
Arbeiten und Workshops von Nadja Buttendorf wurden in zahlreichen Institutionen im In- und Ausland gezeigt, darunter im HKW Berlin, in der Kunsthalle Bremen, der Gaîté Lyrique in Paris, dem Seoul Museum of Art, dem Museum Ostwall in Dortmund und dem Museum der bildenden Künste Leipzig. Lecture-Performances präsentierte sie u. a. bei der re:publica, dem Chaos Communication Congress (CCC) und in der nGbK Berlin.
Nadja Buttendorf ist ausgebildete Goldschmiedin und studierte Bildende Kunst an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle (Saale).
01.–31. Mai 2026
Nadja Buttendorf
rosie - teh next generation
2026, 25:34 Min., QHD-Video, Farbe, Ton
In der Serie „HMKV Video des Monats“ stellt der HMKV im monatlichen Wechsel aktuelle Videoarbeiten internationaler Künstler*innen vor.