Stefan Panhans: Sieben bis Zehn Millionen

HMKV Video des Monats

 

01.–31. Mai 2021

Ein junger Mann (Lisa Marie Janke) blickt mit durchdringend blauen Augen frontal in die Kamera. Er lässt sich einen Dreitagebart stehen und trägt eine Baseballmütze mit orangerotem und schwarzem Camouflagemuster sowie eine fellbesetzte Kapuze. Im Hintergrund ist ein Soundgewirr aus Alarmanlagen, Hupen und Straßengeräuschen zu hören. Die diffus-hektische Klanglandschaft deutet ebenso wie die verschwommen gehaltene Kulisse schemenhaft einen urbanen Raum an. Langsamer Schneefall verleiht der rastlosen Szenerie ein ruhiges Gegengewicht.

Stefan Panhans’ Videoarbeit kommt ohne jegliche Schnitte und mit nur einer einzigen Kameraeinstellung aus. Geradezu herausfordernd fixiert der Protagonist den Betrachter und schleudert diesem stakkatoartig und in berauschender Geschwindigkeit einen atemlosen Monolog entgegen.

Es geht um den Kauf eines nicht näher definierten technischen Geräts, vermutlich einer Digitalkamera, wie der Verweis auf „sieben bis zehn Millionen“ – es ist wohl von Megapixeln die Rede – andeutet. Das Insistieren auf eine möglichst lohnende Kaufentscheidung scheint für den Protagonisten nahezu existenzielle Ausmaße anzunehmen. In seinen geschmetterten Worten spiegeln sich Gier, Rausch und Obsession bis hin zur Paranoia wider. Sieben bis Zehn Millionen spiegelt  hellsichtig die Tücken eines geradewegs absurden Konsumverhaltens, das wir in Ansätzen aber durchaus auch an uns selbst feststellen können. (Jelena Jazo)

 

Stefan Panhans, *1967 in Hattingen/Ruhr, lebt und arbeitet in Hamburg, Berlin und anderswo.

Auszeichnungen, Fellowships und Stipendien (Auswahl): Recherche-Stipendium Akademie für Theater und Digitalität, Dortmund (2020), VISIT Artist in Residence Programm der innogy Stiftung, Essen (2019), Lobende Erwähnung für HOSTEL, Videonale.17 Preis der fluentum collection (2017).  Stipendium der Stiftung Niedersachsen für Medienkunst am Edith-Russ-Haus (2017). Bremer Videokunstpreis #22 (2014).

Aktuelle Gruppenausstellungen und Festivals (Auswahl): Les Rencontres Internationales Paris/Berlin, Louvre, Paris (2021), Something Between Us, Kunsthalle Nürnberg (2021), Zin Ex - From Abstraction to Algorithm, Tabakalera–International Centre for Contemporary Culture, San Sebastian (2020), EMAF–Electronic Media Art Festival #32 (2019) und #33 (2020), Videonale.17, Kunstmuseum Bonn, (2019) Addis Video Art Festival, Addis Abeba (2019), Fuzzy Dark Spot, Deichtorhallen Collection Falckenberg, Hamburg (2019), Osnabrück, Videonale.16, Kunstmuseum Bonn (2017).

Einzelausstellungen (Auswahl): The Pow(d)er of I Am Klick Klick Klick Klick and a very very bad bad musical! (mit Andrea Winkler), HMKV Hartware MedienKunstVerein, Dortmund (2021), Stefan Panhans–HOSTEL, Edith Russ Haus für Medienkunst, Oldenburg (2018), A Better Version of 人–Two Video Works by Stefan Panhans, Goethe Institute China, Bejing (2018), A Gallerina’s Dream, Galerie im Turm, Berlin (2017), Stefan Panhans–Video Works, Goethe Institute, Porto Alegre (2015), Too Much Change Is not Enough, Haus am Waldsee, Berlin (2014)

01.–31. Mai 2021

In der Serie HMKV Video des Monats stellt der HMKV im monatlichen Wechsel aktuelle Videoarbeiten internationaler Künstler*innen vor – ausgewählt von Inke Arns.

Stefan Panhans

Sieben bis Zehn Millionen

HD Video, 5:30 Min., 2005, Courtesy the artist